Kategorie:Thematische EU-Projekte

PalaeoDiversiStyria

Ende 2016 begann das dreijährige Projekt „Die Paläolandschaft der Steiermark und ihre Biodiversität von der Urgeschichte bis zu Entdeckung der Neuen Welt / Paleokrajina Štajerske in njena biodiverziteta od prazgodovine do odkritja Novega sveta“ (PalaeoDiversiStyria), das aus dem Interreg-Programm Slowenien-Österreich 2014–2020 kofinanziert wurde.

Im Fokus des Projekts standen ursprüngliche Pflanzenarten, die mit dem Einsatz der Archäobotanik aus archäologischen Fundkontexten identifiziert werden konnten. Die mittlerweile fast vergessenen Pflanzensorten, die einst die Hauptnahrungsquelle unserer Vorfahren bildeten, sollten im zweiten Teil des Projekts erneut in die Produktion der heimischen Betriebe aufgenommen werden und dadurch die Biodiversität auf unseren Feldern fördern. Die revitalisierten Pflanzen werden zur Entwicklung von hochwertigen Produkten für den Tourismus eingesetzt, die ihren Charakter aus dem lokalen archäologischen Erbe beziehen. Indem diese Produkte zu einer unverkennbaren Marke des touristischen Angebotes werden, tragen sie zur Sensibilisierung für das archäologische Erbe der Region bei.

Die Projektpartnerschaft bestand aus zwei Institutionen aus dem Bereich Archäologie, zwei aus dem Bereich Botanik und zwei Gemeinden. Das Universalmuseum Joanneum und das Denkmalamt der Republik Slowenien übernahmen die archäologische Forschung, um eine solide wissenschaftliche Basis zu schaffen. Das Institut für Pflanzenwissenschaften der Karl-Franzens-Universität Graz und die Fakultät für Landwirtschaft und Biowissenschaften der Universität Maribor verfügen über botanische Gärten und damit die nötigen Testflächen für die Revitalisierung einiger vergessener Pflanzensorten. Die touristische Komponente des Projekts wurde in zwei Pilotgebieten, der Marktgemeinde Großklein in der Südsteiermark und der Gemeinde Hoče-Slivnica in Ostslowenien, auf ihre praktische Umsetzbarkeit geprüft. Durch die Projektpartnerschaft wurde die Zusammenarbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit lokalen Betrieben und Tourismusanbietern gefördert.

Als einer der großen Meilensteine des Projekts PalaeoDiversiStyria wurde 2019 die internationale Dachmarke HERITERRA entwickelt. HERITERRA – der Name kombiniert den englischen Begriff „Heritage“ für das (Kultur)erbe mit dem lateinischen Ausdruck für Erde „terra“ – steht nicht nur für Qualität und Regionalität, sondern auch für die historische Diversität, die sich über Jahrtausende entwickelt hat.

Zusammen mit Expertinnen und Experten aus den Bereichen Landwirtschaft, Gastronomie und Handwerk werden unter dieser Marke u. a. aus den alten Pflanzensorten und mit Hilfe überlieferter Rezepte neue Produkte geschaffen und in das Sortiment der lokalen Betriebe aufgenommen. Die Zutaten, Materialien und Herstellungstechniken sollen sich dabei möglichst nah am historischen Vorbild orientieren. Informationen zur Marke können auf www.heriterra.eu abgerufen werden.

Die Archäologinnen und Archäologen des Universalmuseums Joanneum führten im Rahmen des Projekts in Kleinklein bei Großklein archäologische Grabungen durch, um Proben für archäobotanische Analysen zu gewinnen. Die Grabungsstelle befand sich in unmittelbarer Nähe zum eisenzeitlichen Fürstengrab „Kröllkogel“. Dabei wurden Mauerfundamente eines Gebäudes freigelegt, das aus der Römerzeit stammt und wohl zu einem großen Gutshof (villa rustica) gehörte. Darüber hinaus wurden Abfallgruben aus dem Frühmittelalter entdeckt – ein für die Steiermark seltener Befund.

Projektpartner:
  • Universalmuseum Joanneum (Lead Partner)
  • Denkmalamt der Republik Slowenien / Zavod za varstvo kulturne dediščine Slovenije
  • Karl-Franzens-Universität Graz, Institut für Pflanzenwissenschaften
  • Universität Maribor, Fakultät für Landwirtschaft und Biowissenschaften / Univerza v Mariboru, Fakulteta za kmetijstvo in biosistemske vede
  • Marktgemeinde Großklein
  • Občina Hoče-Slivnica
Kontakt/Projektträger
Universalmuseum Joanneum
Abteilung Archäologie und Münzkabinett
Eggenberger Allee 90
A-8020 Graz
T: + 43 316 8017 9560
archaeologie@museum-joanneum.at
www.museum-joanneum.at

Text: Dr. Marko Mele

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