Kategorie:Thematische EU-Projekte

LEADER Projekt: ArchaeoWild (2018 – 2019)

Die Marktgemeinde Wildon liegt in einem Kerngebiet steirischer Geschichte an mittlerer Mur und Kainach, dessen früheste jungsteinzeitliche Besiedlung mehr als 6500 Jahre zurückreicht. Seither ist fast jede Kulturepoche vertreten, sei es durch archäologische Funde oder historische und kunstgeschichtlich interessante Gebäude und Denkmäler. Der Großraum Wildon erweist sich daher auch im europäischen Rahmen als außergewöhnlich reiche und vielschichtige archäologische Fundlandschaft.

Insbesondere der in der Fachliteratur sehr treffend als „steirisches Geschichtsbuch“ bezeichnete Wildoner Schlossberg stellt mit seiner nahezu mehrtausendjährigen Siedlungskontinuität einen einzigartigen Fundplatz im gesamten Südostalpenraum dar. Im 10./11. Jahrhundert fungierte die am Schlossberg gelegene Hengistburg als Mittelpunkt der Karantanischen Mark, die die Keimzelle der heutigen Steiermark bildete. Im 13. Jahrhundert gestaltete das ehemals auf dem Schlossberg residierende Ministerialengeschlecht der Wildonier die steirische Landespolitik während des sog. Interregnums ganz entscheidend mit. Auch unsere heutigen steirischen Landesfarben weiß-grün sowie die Gründung von Stift Stainz gehen auf dieses Geschlecht zurück! Die außerordentliche historische und archäologische Geltung, die dem Projektgebiet als „Wiege der Steiermark“ hinsichtlich der Genese unseres Bundeslandes zukommt, wird bislang nicht angemessen kulturtouristisch genutzt und museal präsentiert. Das Projekt ArchaeoWild stellt sich genau dieser Herausforderung und beabsichtigt in der infrastrukturell äußerst günstig gelegenen Region (Bahnanbindung, Autobahnschluss) eine nachhaltige kulturtouristische Nutzung des archäologischen Erbes in die Wege zu leiten (Archäologiemuseum, erweitertes Tourismusangebot). Die Attraktivierung, Popularisierung, Visualisierung und Betreuung materieller wie immaterieller archäologischer Kulturgüter erschließt ein bislang nur wenig ausgeschöpftes Potenzial für Tourismus und Wirtschaft und hebt somit die regionale Wirtschaftskraft.

Arbeitspaket 1 – Ausgrabung – Auswertung – Wanderausstellung

Im Frühjahr 2016 hat ein Team der ZAMG Wien mittels Geoprospektion vier bis fünf weitere große, völlig erodierte Grabhügel in der KG Kainach bei Wildon nachgewiesen. Es handelt sich dabei um Adelsgräber der hallstattzeitlichen „Hofgesellschaft“ (7./6. Jh. v. Chr.). Im Verlauf der letzten Jahre wurden diese durch landwirtschaftliche Tätigkeiten stark in Mitleidenschaft gezogen. In diesem Arbeitspaket wird durch die wissenschaftliche Ausgrabung und Auswertung der herrschaftlichen Grabhügel unter Einsatz moderner Dokumentationstechniken (3D Scanning) eine Befund- und Fundsicherung für die effektive kultur- und bildungstouristische Nutzung unternommen. Diese Aktivität wird insgesamt 18 Monate dauern und deren Ergebnisse (Funde und Befunde, Informationen, Karten und Visualisierungen) werden sowohl auf der Website des Kulturparks Hengist (Open-Access; www.hengist-archaeologie.at) veröffentlicht als auch im Rahmen einer Wanderausstellung „Tatort Archäologie“ einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Als Output liegt ein umfassendes, detailgenaues und informatives Abbild der Grabgestaltung und Grabbräuche gehobener hallstattzeitlicher Gesellschaftsschichten vor, das eine touristische Wertschöpfung zeitigt.

Arbeitspaket 2 – Luftbildarchäologie der Südsteiermark

Diese Aktivität beinhaltet die archäologische Befliegung der Region Südsteiermark (etwa von Wildon bis Leibnitz) durch die Abteilung für Luftbildarchäologie des Instituts für Urgeschichte und Historische Archäologie (Universität Wien). Bei den Befliegungen sucht ein archäologisch geschulter Beobachter mit bloßen Augen archäologische Spuren aus dem Flugzeug heraus und dokumentiert sie aus dem Seitenfenster des Flugzeuges mit digitalen Kameras. Die erkannten Fundstellen werden entweder auf Karten dargestellt oder – falls vorhanden – per Knopfdruck im GPS-Empfänger gespeichert und später gemeinsam mit dem aufgenommenen Flugweg in ein geographisches Informationssystem (GIS) integriert. In der Folge werden die aufgenommenen Luftbilder von geschulten ArchäologInnen unter Verwendung modernster Technologien ausgewertet und interpretiert.

Arbeitspaket 3 – Museumskonzept

Auf den archäologischen Ergebnissen im Großraum Wildon aufbauend wird durch die Erstellung eines Museumskonzepts ein Instrument für eine zukünftige, museale Präsentation des archäologischen Kulturerbes in dieser Region geschaffen. Diese Sichtbarmachung von Potentialen und Perspektiven für eine mittel- und langfristige Entwicklung eines archäologischen Museums in diesem Gebiet dient der Akzeptanz und dem Erfolg der späteren Umsetzung und soll als Kommunikationsmittel gegenüber den TrägerInnen, der Politik, der Verwaltung und den GeldgeberInnen eingesetzt werden. Folgende Punkte werden in diesem Konzept behandelt: Organisation und Trägerschaft, Aufgaben und Ziele des Museums, Sammlung, Raumsituation, Präsentation / Dauerausstellung, Besucherservice und Öffentlichkeitsarbeit, touristische Einbindung und Vernetzung mit der Süd- und Weststeiermark, laufender Betrieb des Museums, Museumsleitung und MitarbeiterInnen.

Kontakt/Projektträger
Marktgemeinde Wildon
Hauptplatz 55
A-8410 Wildon
T: +43 3182 3227
gde@wildon.gv.at
www.wildon.gv.at 

Text: Mag. Dr. Christoph Gutjahr, Mag. Dr. Stephan Karl

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