Kategorie:Römersteine

Die Seggauer Römersteinwand

Die im Jahre 1831 errichtete Römersteinwand im Schloss Seggau stellt ein überregional bedeutendes Denkmal dar. Die römerzeitlichen Steindenkmäler sind nicht nur wichtige Zeugnisse der provinzialrömischen Kultur, sondern geben auch Einblicke in die wechselvolle Geschichte ihrer Wiederverwendung. Diese aus der römischen Kaiserzeit stammenden Steine waren ursprünglich Grabbauten, Ehrenmonumente und Weihaltäre bzw. Teile von diesen. Sie wurden zumeist aus dem lokalen ostalpinen Marmor hergestellt, und stammen von den Gräberstraßen bzw. öffentlichen Plätzen der römischen Stadt Flavia Solva.

In der Spätantike, einer Zeit unterschiedlicher Bedrohungen und Unruhen, wurden diese Bauwerke und Monumente demoliert und aus ihren Steinblöcken ein massiver Turm auf dem Leibnitzer Burgberg errichtet. Im Mittelalter wurde neben diesem Turm, auf einem etwas tiefer gelegenen Niveau, die erzbischöflich-salzburgische Burg errichtet; der Nordteil dieses Burgberges wurde mitsamt dem Turm im Jahre 1219 dem neugegründeten Bistum Seckau überlassen. Dieses wiederum integrierte den Turm in ihre Burganlage bzw. bauten um diesen herum. Im frühen 19. Jahrhundert musste der Alte Turm aufgrund seiner akuten Einsturzgefahr abgebrochen werden, was aufgrund seiner Größe und Massivität in zwei Arbeitsabschnitten, über mehrere Jahre hinweg erfolgte. Im Mauerwerk wie auch im Fundament kamen so die zahlreichen römerzeitlichen Steindenkmäler mit ihren kunstvollen Reliefs und Inschriften wieder zu Tage. Nach endgültigem Abbruch des Turmes erkannte man 1831 die kulturhistorische Bedeutung dieser Steine und mauerte sie im Erdgeschoß eines neuen, dem mittelalterlichen Gebäudetrakt vorgelagerten, Ganges ein. Diese museale, die Ansichtigkeit dieser Steine berücksichtigende Anordnung ließ die bis heute erhaltene Römersteinwand entstehen.

Text: Paul Bayer BA, Mag. Dr. Stephan Karl

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