Kategorie:Museen

Museum Villa Retznei

Bei archäologischen Ausgrabungen wurde in Retznei eine Anlage entdeckt, die von der Bronzezeit bis in die Römerzeit reicht.

Mehrere keltische Gebäude unter den römischen Bauten, zu der zwei Badeanlagen gehörten, bezeugen die Bedeutung der Fundstelle. Ein Altar für die Göttin Fortuna Augusta, zahlreiche Ausgrabungsfunde sowie der ergrabene Grundriss eines Nymphäums (eines Quellheiligtums) erbrachten den Nachweis, dass es sich um ein ursprünglich keltisches Heiligtum handelt, das in der römischen Kaiserzeit monumental ausgestaltet wurde. In dem Museum im „Rauchstubenhaus“ Retznei 26 werden unter anderem Elemente der luxuriösen Ausstattung der römischen Bauten, aber auch keltischer Bronzeschmuck und ein Altar der Göttin Fortuna gezeigt. Der Ort Retznei ist auch als Fundstelle von Fossilien bekannt, die im Leithakalk, der heute in mehreren Steinbrüchen abgebaut wird, gefunden werden. Der Geologie und Ortsgeschichte ist ein Raum im Museum gewidmet, ein weiterer den archäologischen Fundstücken, deren Bedeutung auf Schautafeln erläutert wird. Ein Film über archäologische Entdeckungen in Retznei sowie andere Fundstellen und die damit verbundene Problematik des Schutzes von Bodendenkmäler wird ebenfalls im Museum gezeigt. Führungen zur archäologischen Fundstelle in Retznei (300 m vom Museum entfernt) sowie zu benachbarten Denkmälern werden angeboten.

Im Jahr 2014 wurde in Retznei ein kleines Museum eröffnet, das der dortigen archäologischen Fundstelle gewidmet ist. An dieser Stelle soll dieses Museum, das vielleicht eher als Schauraum bezeichnet werden müsste, kurz beschrieben werden sowie ein knapper Überblick über die Arbeiten auf der archäologischen Fundstelle gegeben werden.

Öffnungszeiten & Kontakt
Öffnungszeiten:

Fr. 9 – 18 Uhr u. Sa. 9 – 14 Uhr
Für Gruppen gegen Voranmeldung auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten.

Kontakt:
Retznei 26, A-8461 Ehrenhausen an der Weinstraße
T: +43 699 1276 0724, office@asist.at
www.asist.at

Der Name des Museums führt möglicherweise in die Irre, ist doch die Frage, ob es sich bei der kaiserzeitlichen Anlage tatsächlich um eine Villa handelt, noch nicht geklärt. Die ersten Ausgrabungen fanden im Jahr 1873 statt, als Prof. Friedrich Pichler für das Landesmuseum Joanneum erste Sondagen anlegte. Die Arbeiten wurden nach wenigen Wochen wieder beendet, jedoch erschien bald ein Bericht in den Mittheilungen der k. k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Baudenkmale. Erst im Jahr 2004 fand eine Fortsetzung statt, als sich die Frage nach der Lokalisierung der Altgrabung, aber auch nach Charakter und Zeitstellung der Villa stellte. In den Folgejahren konnten Untersuchungen durchgeführt werden, die durch den 2006 gegründeten Verein ASIST (Archäologisch-Soziale Initiative Steiermark) im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft mit der ST:WUK (Steirische Wissenschafts-, Umwelt- und KulturprojektträgergesmbH.) betrieben wurden.

Wurde zunächst die von Friedrich Pichler rudimentär beschriebene kaiserzeitliche Anlage wieder freigelegt und der Versuch unternommen, Zeitstellung, Bauphasen sowie Funktion der Gebäude zu klären, so rückten mit der Zeit auch Fragen zu den prähistorischen Vorgängerphasen ins Blickfeld. Eine kleinere mittelbronzezeitliche Siedlung lag auf dem Areal, auf dem in der ausgehenden Mittellatènezeit eine größere Anlage, die wir derzeit als Gehöftgruppe ansprechen, errichtet wurde. Die latènezeitlichen Befunde kamen in einem großen Areal zu Tage. Aufgrund der kaiserzeitlichen Baumaßnahmen aber auch aufgrund späterer Eingriffe und Störungen war es bisher nicht möglich, die Struktur der betreffenden Siedlung genauer zu klären, die Arbeiten daran dauern aber an. Mehrere Grubenhütten lagen unter dem römischen Bau, Pfostenbauten sowie andere nicht klar zu interpretierende Befunde wurden dokumentiert und sollten demnächst ausgewertet werden. Die zugehörigen Funde gehören in die Phasen Latène C2 sowie die darauf folgende Spätlatènperiode, wobei der Versuch einer genaueren chronologischen Einordnung der keramischen Funde noch am Laufen ist. Funde aus der frühaugusteischen Zeit lassen jedenfalls derzeit die Möglichkeit einer kontinuierlichen Nutzung bis in die frühe Kaiserzeit möglich erscheinen, was die Fundstelle zweifellos zu einem wichtigen Forschungsobjekt für die Frage nach Brüchen oder Kontinuitäten zwischen Spätlatèneperiode und der römischen Kaiserzeit macht. In der flavischen Epoche wurde der erste Steinbau errichtet, dem bald weitere Um- und Zubauten folgten. Eine größere Badeanlage gehört in das mittlere 2. Jh. n. Chr., ein weiteres größeres Gebäude, bei dem es sich ebenfalls um eine Badeanlage handelt, wurde im 3. Jh. erbaut. Die Funktion der einzelnen Räume innerhalb der Badeanlagen ist Großteils zu erschließen, nicht einfach ist die Klärung eines Traktes im Südosten, bei dem es sich um ein Nymphäum gehandelt haben könnte.
Auffallend ist, dass bis jetzt einfache Wohntrakte oder Nebengebäude nicht lokalisiert werden konnten. Ob das mit der Beschränkung der Grabungsfläche auf ein kleines Areal, auf dem eben nur das Hauptgebäude lag, erklärt werden muss, oder ob die römische Anlage doch eine andere halb-öffentliche (?) Funktion, die bis jetzt nicht klar benannt werden kann, innehatte, ist zu fragen.

Mehrere wissenschaftliche Fragen sollten also noch untersucht werden, nach vielen Jahren feldarchäologischer Arbeit war jedoch auch die Perspektive einer musealen Präsentation wichtig. Ein altes denkmalgeschütztes Bauernhaus im Dorf Retznei, 200 m von der Fundstelle entfernt, konnte schließlich zu diesem Zweck saniert werden und wurde mittlerweile unter dem Namen Museum Villa Retznei eröffnet. Funde aus den letzten Grabungsjahren werden dort gezeigt, ferner ein zentrales Fundstück aus der Grabung Friedrich Pichlers, ein Altar für die Göttin Fortuna, der als Leihgabe des Landesmuseums Joanneum ausgestellt ist. Der Ort Retznei ist auch als Fundstelle von Fossilien bekannt, die im Leithakalk, der heute in mehreren Steinbrüchen abgebaut wird, gefunden werden. Der Geologie und Ortsgeschichte ist ein Raum gewidmet, ein weiterer den archäologischen Fundstücken, deren Bedeutung auf Schautafeln erläutert wird. Ein Film über archäologische Entdeckung der Villa sowie anderer Fundstellen und die damit verbundene Problematik des Schutzes von Bodendenkmäler wird ebenfalls gezeigt. Führungen zur archäologischen Fundstelle sowie zu benachbarten Denkmälern werden angeboten.

Text: Mag. Dr. Bernhard Schrettle

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